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Reisebericht Brasilien
7. bis 14.Juli 2007
Am 8.Juli 2007 ging es für CC auf nach Brasilien, um
vor Ort im größten Kaffeeanbaugebiet der Welt so viel wie möglich über
Kaffee zu lernen. Die Einladung dazu erfolgte durch der BSCA (Brasilianische
Spezialitäten Vereinigung) und Rehm & Co (Rohkaffeeimporteur aus Hamburg).
Die Firma Rehm & Co. setzt sich von anderen
Rohkaffeeimporteuren in punkto Qualität ab, nicht zuletzt durch eine
Kooperation mit den brasilianischem Kaffeeverband BSCA, der nicht wie es in
Brasilien heute überwiegend zu finden ist, auf Masse, sondern auf Klasse
setzt. Dieser Verband geht neue Wege, es werden nicht nur höchste Qualitäten
erzeugt, sondern auch für die auf den einzelnen Kaffeeplantagen
beschäftigten Arbeiter ein entsprechendes soziales Umfeld geschaffen. Genau
diese beiden Ziele haben für uns die Reise interessant gemacht und im
Nachhinein betrachtet können wir sagen – es war anstrengend, aber es hat
sich gelohnt!!
Bereits seit einiger Zeit führt CC den reinrassigen
brasilianisch Kaffee „Fazenda Lagoa“. Früher führten wir brasilianischen
Kaffee nur als Mischung (Blend), da die Qualität des Kaffees nur so unseren
Ansprüchen entsprach. Inzwischen konnten Sie sich selbst davon überzeugen,
dass brasilianische Kaffees eine ganz eigene, liebliche Note mit einem
wunderbaren Aroma besitzen. Hervorragende Kaffees wie: Fazenda Lagoa, Cup of
Excellence Brasil™ oder Capim Branco.
Nach einem ca. 13 stündigen Flug und der Landung in Sao
Paulo gegen 8.00 Uhr Ortszeit (13:00 Uhr deutscher Zeit) ging es per
Reisebus ins Hinterland, in die Berge. So kamen wir nach weiteren ca. 6
Stunden Fahrt am Nachmittag auf der Fazenda Lagoa an. Anschließend begrüßte
uns der Farmbesitzer Herr Marcelo Viera. Es folgte ein kurzer Rundgang über
die Aufbereitungsanlage für frisch geernteten Kaffee. Dann durften wir
erstmals erfahren, dass das brasilianische Essen üppig und sehr lecker ist.
Am nächsten Morgen besuchten wir die Fazenda Lagoa sowie weitere benachbarte
Kaffeeplantagen. In den folgenden Tagen sahen wir viele Kaffeeplantagen und
Aufbreitungsanlagen und jede davon hatte ihren ganz eigenen Charakter und
unterschiedliche Verfahrensweisen.
Brasilianischer Kaffee wächst auf dem Cerrado Hochplteu
in einer Höhe von ca. 900 – 1200 Metern. Höhere Anbaugebiete gibt es nicht,
da es sonst für die Kaffeepflanzen in den Regionen zu kalt werden würde. In
diesen höheren Lagen wird ausschließlich per Hand gepflückt. An den
Berghängen können keine Maschinen eingesetzt werden. Generell gibt es 2
Ernteverfahren. Das Picking (handgepflückt und dabei auch handverlesen)
sowie das Stripping. Beim Picking werden nur die reifen Kirschen gepflückt.
Unreife Kirschen bleiben am Baum. Dieses Verfahren wird nur bei der ersten
Ernte des Jahres angewendet. Jeder Kaffeebaum kann bis zu drei Mal geerntet
werden. Das Stripping kann maschinell oder aber auch von Hand erfolgen. Bei
der maschinellen Ernte wird oftmals noch von Hand nachgeerntet, ebenfalls im
Stripping-Verfahren. Meist ist dies dann die letzte und auch schlechteste
Ernte, was die Erntemenge betrifft. Plantagen, bei denen das maschinelle
Stripping angewendet wird, können die Kaffeebäume bis zu 6 Meter hoch
werden, da Erntemaschinen entsprechend hoch sind. Bei der Ernte per Hand
müssen die Bäume verständlicherweise auf ca. 2-3 Meter gehalten werden.
Für das beste Aroma werden die Kaffeekirschen am Baum
bewusst solange belassen, bis die Kaffeekirsche (das Fruchtfleisch um die
Kaffeebohnen) ausgetrocknet ist. Diese Kaffeebohnen nennt man ungewaschener
Kaffee. Erst nach der vollständigen Trocknung am Kaffeebaum werden sie
geerntet, gewaschen, sortiert und auf Trocknungsflächen (Patio) ausgelegt.
Der Kaffee wird also noch mit der Kaffeekirsche auf große Betonflächen zum
trocknen ausgelegt und ca. 15 mal pro Tag von Hand gewendet, so dass er
nicht faulen kann. Diese Prozedur dauert je nach Wetterlage und Vortrocknung
am Baum 3 bis 5 Tage. Der Kaffee hat nach Abschluss des Prozesses eine
Restfeuchtigkeit von ca. 20%. Anschließend kommt der Kaffee nochmals in eine
maschinelle Trocknungsanlage, in der er mit Hilfe von warmer Umluft auf eine
Restfeuchte ca. 9 bis 11% gebracht wird. Kurz bevor der Kaffee in Säcke
abgefüllt wird, entfernt eine Maschine die Kaffeekirschen und die
Pergamenthaut. Das Produkt Rohkaffee ist fertiggestellt und bereit zum
verschiffen.
Aber warum lässt man die Kaffeebohnen solange es geht
in der Kaffeekirsche? Das die Kaffeebohnen umschließende Fruchtfleisch
verliert während der Trocknung Flüssigkeit und es bildet sich dabei Zucker,
welcher auf dieser Weise in die Kaffeebohne gelangt. So erreicht man einen
sehr lieblichen Kaffee, also einen Kaffee mit der höchsten sweetness. Dieses
Verfahren der traditionellen Aufbereitung bewirkt eine hohe Qualität. Die
Lagerung erfolgt von einem bis zu sechs Monaten, je nach gewünschter
Qualitätsstufe und in aller Regel bis zum Export des Kaffees. Sollte es doch
einmal regnen, so muss der Kaffee frühzeitig geerntet werden und die
Trocknung muss maschinell erfolgen, wobei aber dann nicht das optimale
Ergebnis erreicht werden kann.
Weiterhin gibt es noch die so genannten „Pulped Naturals“.
Pulped bedeutet, dass der Kaffee nach der Ernte in Sortieranlagen kommt, wo
er gleichzeitig gereinigt und nach Qualität sortiert wird. Anschließend
entfernt eine Maschine (Pulper) die Kaffeekirsche, wobei das Fruchtfleisch
teilweise an den Kaffeebohnen verbleibt. Auch diese Methode soll das
Eindringen von Zucker in die Bohne ermöglichen. Nach dem pulpen erfährt der
Kaffee die gleiche Behandlung wie Naturals, er wird auf Betonflächen zum
natürlichen trocknen ausgelegt und anschließend nochmals maschinell
getrocknet. Die so getrocknete Pergamenthaut wird ebenfalls erst kurz vor
dem Abfüllen in Kaffeesäcke von den Kaffeebohnen geschält.
Auch wenn der so geerntete Kaffee durch
Aufbereitungsanlagen wandert, welche fast ausschließlich mit Wasser und
Rüttelverfahren arbeiten, handelt es sich um eine trockene Aufbereitung,
also um ungewaschene Arabica. Nur in Ausnahmefällen werden gewaschene
Arabica produziert. Dem geernteten und gewaschenen Arabica fehlt die Süße,
die ihn so einzigartig macht.
Der fertig abgesackte Kaffee der einzelnen
Kaffeeplantagen kommt anschließend in die bereits am Anfang erwähnten
Kooperativen. Hier wird er professionell nach Qualität verlesen und
eingestuft. Sie können den Kaffee fachgerecht lagern und besser vermarkten
und erzielen dadurch an der New York Arabica Börse für Rohkaffee einen meist
wesentlich höheren Preis, als dass dies durch den einzelnen
Plantagenbesitzer möglich wäre.
Die einzelnen Kooperativen arbeiten ganz
unterschiedlich. Bei einigen wird der von verschiedenen Kaffeeplantagen
geerntete Kaffee zusammengemischt. Andere, meist kleinere Kooperativen
trennen den Kaffee der einzelnen Plantagen strikt und betreiben auch eine
Direktvermarktung.
Nun aber zurück zu den sozialen Aspekten des BSCA.
Ein Arbeiter (als Pflücker arbeiten auch Frauen) kann bis zu 25$ pro Tag
verdienen. Ein unerfahrener Ernter verdient ca. 18$ pro Tag. Das hört sich
zunächst viel an, aber man muss bedenken, dass die Erntezeit nur drei Monate
beträgt. Einige wandern von Plantage zu Plantage. Der Verdienst eines
Arbeiter beträgt monatlich zwischen 800,00 bis 1.000,00 Reales. Nicht genug
um reich zu werden, aber man kann damit ein normales Leben führen und man
lebt an einem der schönsten Flecken der Erde, wie ein Plantagenbesitzer
bemerkte. Zumindest ist der Verdienst eines erfahrenen Pflückers
entsprechend dem Durchschnittseinkommen in Brasilien, bzw. kann dieser auch
darüber liegen. Kinderarbeit ist strickt verboten. Eine Familie hat in der
Regel 4 Kinder. Einige der von uns besuchte Plantagenbesitzer bieten ihren
Pflückern auf ihrem Grundstück Einfamilienhäuser zur Miete., meist auch eine
Schule und ein Gemeinschaftshaus, was natürlich nicht ganz uneigennützig
geschieht. Die Farmer brauchen qualifizierte Arbeiter und um der so genannten
Landflucht vorzubeugen und gute Arbeiter nicht zu verlieren, haben die
Plantagenbesitzer das Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit erkannt und
handeln danach. Weiterhin gibt es eine Art Sozialversicherung, aber wenn man
ehrlich ist, muss man sagen, dass diese auf dem Land wenig nutzt, denn die
medizinische Versorgung ist nicht die Beste, was uns in Deutschland aber
auch nicht ganz so fremd ist. Auch hier engagieren sich die
Plantagenbesitzer, indem sie den Bau von Ärztezentren finanziell fördern.
Eines unser Fazit dieser außergewöhnlichen Reise, neben
dem festen Wissen über Herkunft, Aufbereitung und damit verbundener
Qualitäten unserer Kaffees:
Auch ohne der Mitgliedschaft in einem Verein wie z. B.
der GEPA „Fair Trade“ gibt es Möglichkeiten Projekte zu unterstützen die auf
Qualität und soziale Gesichtspunkte setzen. Wir haben mit dem BSCA eine sehr
gute Alternative dazu gefunden, denn die Monopolstellung der GEPA mit „Fair
Trade“ darf durchaus kritisch betrachtet werden.
Zu diesem Thema können Sie in Kürze bei uns mehr
lesen.
Wir hoffen Ihnen schmeckt unser Kaffee nun noch
besser!
Ihr Team Classic Caffee
P. S. Noch nicht genug Kaffeewissen gesammelt? Dann
schreiben Sie uns Ihre Fragen unter
info@classic-caffee.de! |




Classic
Caffee
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Hamburg Tel.: (0 40) 56 06 00 08,
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