Kaffeeröstung

Viele Begriffe in der Welt des Kaffees sind leider nicht geschützt - das gilt auch für den Begriff der Langzeitröstung. Wir wollen hier Maßstäbe setzen und sprechen daher nur dann von einer Langzeitröstung, wenn die Röstzeit des Kaffees 15 Minuten überschreitet und es sich dabei um eine traditionelle Trommelröstung handelt. - Warum?

Der Chemiker Paul Ciupka schrieb bereits 1949 ein bemerkenswertes Buch über das Rösten von Kaffee ("Kaffee. Kaffee-Ersatz und Kaffee-Zusatz"), in dem er wissenschaftlich nachwies, dass sich die ganz natürlich im Rohkaffee befindliche Gerbsäure (unerwünschte Bitterstoffe) nach einer Röstzeit von über 15 Minuten zum großen Teil in Glukosestoffe (also Süßstoffe) umwandelt. Dies funktioniert allerdings nur, wenn der Kaffee bei niedrigen Temperaturen, also nicht über 200° Celsius, geröstet wird (schonendes Verfahren). Ein weiterer Teil der Gerbsäure geht mit dem Flüssigkeitsverlust, der mit dem Rösten verbunden ist, verloren. So entwickelt sich ein hervorragendes, natürlich produziertes Kaffeearoma ohne die unerwünschten Bitterstoffe, die zum Teil Sodbrennen oder Schlimmeres hervorrufen können.

Industriell kann nach diesem Verfahren kein Kaffee produziert werden, da dies die Produktionszeiten verlängern und damit die Produktionskosten deutlich erhöhen würde - außerdem eignet sich die traditionelle Trommelröstung nur für vergleichsweise kleine Kaffeemengen, was eine industrielle Massenproduktion verunmöglicht. Stattdessen wird heute industriell im Heißluftstromverfahren produziert, die Temperaturen sind folglich sehr hoch und die Röstzeit extrem kurz.

So kann der Kaffee in sehr kurzer Zeit und in großen Mengen hergestellt werden, ist jedoch nicht so magenschonend und aromatisch wie in kleinen Kaffeeröstereien, die sich des Trommelröstverfahrens bedienen. Ein weiterer Vorteil dieser kleinen Röstereien besteht darin, dass sie kleinere Mengen verarbeiten können und daher eine große Vielfalt an sortenreinen und seltenen Kaffeesorten anbieten können.